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Im September war das BlueVPS-Team auf der Shenzhen SEO Conference 2026. Zum zweiten Mal in Folge brachte die Veranstaltung Fachleute für Suchmaschinenoptimierung und E-Commerce aus Asien und dem Westen zusammen. Die Hauptkonferenztage waren der 16. und 17. September, und genau an diesen Tagen war Oleksandr Vlasenko, Head of Growth bei BlueVPS, vor Ort.

Oleksandr Vlasenko, Head of Growth bei BlueVPS, am Registrierungsschalter.

Teilnehmerausweis.
Organisiert wurde die Konferenz von JP Zhang. Auf dem Programm standen mehr als 50 Speaker aus Europa, Nordamerika, Australien und Asien. Für uns war das eine Gelegenheit, praktische Erfahrungen auszutauschen und Menschen kennenzulernen, die in unterschiedlichen Märkten arbeiten und mit denselben Veränderungen im Digitalgeschäft konfrontiert sind wie wir. Ein eigenes Ziel der Reise waren neue Kontakte im asiatischen Markt.

Saal und Bühne während eines Vortrags.
Noch wichtiger war es, zu verstehen, wohin sich die Branche gerade bewegt. SEO, Webentwicklung, Content und Kundengewinnung verändern sich unter dem Einfluss von KI spürbar. Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Konferenz war ziemlich praktisch: KI ersetzt den menschlichen Spezialisten nicht. Sie verändert seine tägliche Arbeit und legt die Messlatte für Ergebnisse höher.
Die Grundlagen einer guten Website verschwinden nicht. Technische Stabilität, Nutzerfreundlichkeit, nützliche Inhalte, eine klare Struktur und eine Website, die sauber funktioniert, bleiben wichtig. Was sich nach und nach ändert, ist die Art, wie Wirksamkeit gemessen wird. Es ergibt immer weniger Sinn, einfach nur mehr Seiten, mehr Texte, mehr Links oder mehr SEO-Aktivitäten anzuhäufen. Wichtiger ist, wie gut das Endergebnis ist und welchen echten Mehrwert es Nutzern und dem Unternehmen bringt.
Dieser Bericht betrachtet genau diesen Wandel und greift die Ideen heraus, die sich schon jetzt von der Konferenz in die tägliche Praxis übernehmen lassen.
Für BlueVPS bedeutet das auch einen höheren Standard in der Arbeit an Kundenprojekten. Wir müssen verstehen, welche Anforderungen morgen an Websites gestellt werden, und sie schon heute einplanen.
Die überraschendste Erkenntnis der Konferenz: Das Problem der KI-Sichtbarkeit ist kein kreatives (hochwertige Inhalte erstellen), sondern ein technisches (wie Code und Server eingerichtet sind):
Auf der Konferenz fiel eine beeindruckende Zahl: Laut OtterlyAI haben 73 % der Websites technische Barrieren, die KI-Crawler am Lesen hindern. Für uns ist das ein wichtiges Signal bei der Wahl der Strategie. Die Optimierung einer Website für neue Suchszenarien beginnt mit der Prüfung, ob KI-Systeme die Inhalte überhaupt abrufen und verstehen können. Hochwertige Inhalte zu erstellen bleibt wichtig, rückt aber an die zweite Stelle.

Folie aus dem Vortrag von Wasin Mekkit (Statrys) „AI Search Can't Render Your JavaScript-Heavy Website? SEO Can Fix That“. Quelle der Zahl: OtterlyAI, The AI Citation Economy, 2026.
Es gibt auch eine gute Nachricht. Um das Problem zu lösen, müssen keine neuen SEO-Werkzeuge erfunden werden. Die nötigen Technologien sind Fachleuten seit rund fünfzehn Jahren vertraut und gehören zum Grundrepertoire des technischen SEO:
Die guten alten technischen Grundlagen sind nach wie vor ein Wettbewerbsvorteil.
Einer der Speaker zeigte die Ergebnisse eines solchen Umbaus am eigenen Projekt. Nach den Änderungen stiegen die Anfragen von KI-Bots an den Server um 106 %, die kombinierten Conversions aus organischer Suche und KI um 115 %. Gleichzeitig hat sich die Zeit vom ersten Besuch bis zum Kauf bei Nutzern, die über KI kommen, mehr als halbiert. Die Erklärung des Speakers: Wer über KI kommt, hat einen Teil der nötigen Informationen schon vor dem Besuch der Website erhalten. Er muss sich nicht von Grund auf in das Thema einarbeiten. Er öffnet die Seite für den nächsten Schritt: das Angebot vergleichen, Details prüfen und konvertieren.
Ein technisches Website-Audit sollte künftig eine weitere Prüfung enthalten: Kann die KI die Inhalte abrufen, die wir ihr zeigen wollen? Das ist einer der Fälle, in denen ein kleiner Aufwand jetzt eine gute Investition in künftigen organischen und KI-Traffic ist.
Eine der nützlichsten praktischen Erkenntnisse der Konferenz: Ein Universalrezept für KI-Optimierung gibt es nicht.
Die Systeme suchen unterschiedlich nach Informationen, wählen Quellen unterschiedlich aus und nutzen die gefundenen Inhalte unterschiedlich:

Die von ChatGPT am häufigsten zitierten Domains vor und nach dem 8. August. Josh Blyskal, Profound.

„Claude is pulling directly from Brave.“ Josh Blyskal, Profound.
Trotzdem sollte eine Website nicht zu einem endlosen Strom neuer Texte werden. Weniger Inhalte um der Menge willen, mehr hochwertige Informationen, die es wirklich wert sind, Menschen und KI gezeigt zu werden.
KI-Zitierung funktioniert ganz anders als klassischer Linkaufbau. Zu diesem Schluss kamen mehrere Speaker unabhängig voneinander.
Wenn eine KI eine Frage zu einem Unternehmen beantwortet, hat sie keine vorbereitete „Akte“ mit der richtigen Beschreibung der Marke. Sie setzt die Antwort im Moment der Anfrage aus den verfügbaren Quellen zusammen: aus der Unternehmenswebsite, Bewertungen, Foren, sozialen Netzwerken, Veröffentlichungen und anderem Material. In diesem Moment ist das Unternehmen selbst gewissermaßen nicht im Raum. Über das Unternehmen sprechen andere.
Daraus folgen zwei Schlüsse, die für Unternehmen wichtig sind:

„The gap between what AI says and what's true is your brief.“ Jonathan Kiekbusch, SwishDM.
Einer der Speaker zeigte ein Beispiel, in dem rund zehn neue Artikel die Beschreibung einer Marke in KI-Antworten spürbar verändert haben.
Ein noch deutlicheres Beispiel kommt aus China. Journalisten einer Fernsehsendung kauften für 40 Yuan eine Publishing-Software und platzierten innerhalb von drei Tagen 11 Artikel über ein Gerät, das es nicht gibt. In der Folge begannen fünf große KI-Modelle, dieses erfundene Produkt echten Nutzern zu empfehlen.
Das bedeutet: Zur gewohnten Arbeit an Reputation und SEO gehört nun auch, regelmäßig zu prüfen, was verschiedene KI-Systeme über die Marke sagen, welche Quellen sie nutzen und welche Eigenschaften des Unternehmens in den Antworten immer wieder auftauchen. Man muss verstehen, welches Bild des Unternehmens außerhalb der eigenen Website entsteht. Und das Informationsumfeld einer Marke lässt sich systematisch entwickeln, mit eigenen Inhalten und hochwertigen externen Quellen.
Ein eigener Vortragsblock widmete sich dem Eintritt in asiatische Märkte. Das Fazit: „Nach Asien gehen“ ist keine einzelne Aufgabe. Korea, Japan und China erfordern jeweils einen völlig anderen Ansatz bei Suche, Content und Zielgruppenansprache.
Naver, die wichtigste Suchmaschine des Landes, ist anders aufgebaut als das gewohnte Google. In den Suchergebnissen spielen die eigenen Dienste des Ökosystems eine große Rolle: Blogs, Communities, Shopping, Video. Selbst eine gut optimierte Unternehmenswebsite kann sehr wenig Aufmerksamkeit bekommen.
In der Praxis kommt es auf Veröffentlichungen innerhalb des Naver-Ökosystems und auf die Zusammenarbeit mit lokalen Bloggern an. Die Zahl der Follower eines Autors ist dabei nicht die wichtigste Kennzahl. Viel wichtiger ist, wie gut seine Inhalte ranken und wie sichtbar sie in der Suche sind.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die schnelle Verbreitung der KI-Suche. Nach Daten, die auf der Konferenz vorgestellt wurden, ist ihr Anteil in Korea innerhalb von zwei Jahren von 12 % auf 39 % gestiegen. Wer in diesen Markt eintritt, sollte die neuen Kanäle, über die Menschen an Informationen kommen, frühzeitig analysieren.
In Japan bringt Linkaufbau nicht den Effekt, den er in vielen anderen Märkten hat. Nachdem Links um 2010 herum übermäßig eingesetzt worden waren, verschärfte Google den Umgang mit solchen Praktiken deutlich. Seitdem hat sich SEO dort auf die Arbeit an der Website selbst verlagert.
Enormes Gewicht hat die Lokalisierung der inhaltlichen Logik selbst: Themen, Formulierungen, Seitenstruktur, Nutzerszenarien. Bestehende Artikel einfach zu übersetzen reicht nicht. Nutzer in Japan formulieren ihre Suchanfragen anders, suchen anders nach Informationen und gehen einen anderen Weg bis zum Kauf. Selbst wichtige Geschäftsentscheidungen werden oft unterwegs getroffen, direkt am Smartphone. Deshalb sind mobile Nutzungsgewohnheiten hier besonders wichtig.

Übersetzung, Transkreation, Lokalisierung und radikale Lokalisierung: vier verschiedene Aufgaben.
In China ist die Lage wieder anders. Lokale KI-Plattformen greifen zuerst auf Quellen innerhalb ihrer eigenen Ökosysteme zurück, zum Beispiel auf Dienste desselben Konzerns, dem das Modell gehört.

Anteil der Zitierungen, die chinesische KI-Plattformen aus dem eigenen Ökosystem beziehen: bis zu 56 %. Kun Tang, Jademond.
Im B2B-Bereich zeigte sich allerdings ein offeneres Bild. In der Studie von Jademond entfielen bei Industriemaschinen 53 % der Zitierungen auf nicht chinesische Inhalte. Das bedeutet: Eine hochwertige englischsprachige Website mit solider Autorität kann es auch ohne vollständige Lokalisierung in eine chinesische KI-Antwort schaffen.
All das sollte schon bei der Entwicklung einer SEO-Strategie für einen Kunden berücksichtigt werden. Sinnvoller ist es, die Aufgabe nach einzelnen Märkten aufzuteilen und für jeden einen eigenen Mix festzulegen: Website, lokale Plattformen, Content, technische Optimierung, Partnerschaften und Arbeit an der KI-Sichtbarkeit.
Mehrere Vorträge drehten sich um KI-Agenten, und in allen zeigte sich dasselbe Muster. Nach Angaben der Speaker kann ein Agent in manchen Prozessen bereits rund 90 % der Vorarbeit übernehmen. Das letzte Wort hat aber der Spezialist. Bevor Änderungen auf einer Website live gehen, eine Nachricht verschickt oder eine andere potenziell wichtige Aktion ausgeführt wird, muss ein Mensch sie bestätigen.
Die Speaker zeigten Szenarien aus der eigenen Praxis:

„An agent that finds, pitches, and negotiates links. A human at the gate.“ Johann Sathianathen, Cyndra AI.
Die Automatisierung wird zudem bewusst begrenzt. So wird etwa ein Limit von 20 bis 50 neuen Seiten pro Woche gesetzt, um einen unnatürlichen Aktivitätssprung zu vermeiden. Nach etwa 90 Tagen werden die Seiten erneut geprüft: Sind sie indexiert und erhalten sie Impressionen?
Gute Automatisierung ist ein Zusammenspiel aus einer Maschine, die Daten sammelt, prüft und Lösungen vorschlägt, und einem Menschen, der bewertet, entscheidet und für das verantwortlich ist, was der Kunde oder Nutzer am Ende sieht. Das Ziel ist, dem Spezialisten Zeit für die Arbeit freizuräumen, die wirklich Erfahrung, Prüfung und Entscheidungen braucht.
Allein die Tatsache, dass KI eingesetzt wurde, macht einen Beitrag weder gut noch schlecht. Ein Gedanke ist uns im Kopf geblieben: Schlechter KI-Content ist nicht der, der mit KI erstellt wurde, sondern der, für den niemand die Verantwortung übernommen hat.
Der wohl ernüchterndste Vortrag der Konferenz handelte nicht von Wachstum, sondern von Verlust.
Der Gründer einer großen Gutschein-Website schilderte, wie sein Projekt auf 8 Millionen Besuche im Monat wuchs und der Traffic dann nach einem der Google-Updates unter eine Million fiel. Aufs Jahr gerechnet bedeutete das einen Verlust von mehr als 80 Millionen Besuchen.

Titelfolie des Vortrags von Nick Drewe, Gründer von Wethrift: „What Happens When SEO Stops Working? Lessons from Gaining and Losing 80 Million Visitors“.
Der Rückgang zog sich über anderthalb Jahre. Die ganze Zeit über versuchte das Team, die früheren Werte zurückzuholen, ohne Erfolg. Am Ende ging es bei der wichtigsten Lehre nicht um Algorithmen. Jahrelang hatte kostenloser Such-Traffic das Gefühl eines großen und stabilen Publikums vermittelt. Als der Strom jedoch versiegte, wurde klar, dass das Projekt kaum ein eigenes Publikum aufgebaut hatte. Hunderte Millionen Besuche liefen über die Website, und fast niemand blieb, nachdem die Suchmaschine aufgehört hatte, Menschen zu schicken.
Diese Geschichte passt zu einer weiteren Beobachtung der Konferenz. Bei vielen Projekten sinkt heute der Traffic, während die Conversion-Rate steigt. Der Grund: KI übernimmt einen Teil der Vorrecherche und filtert zufällige Klicks heraus. Nutzer kommen erst auf die Website, wenn ihre Grundfragen beantwortet sind, sie Optionen verglichen haben und wissen, was sie brauchen.

Eli Schwartz, Autor von Product-Led SEO, mit seinem Vortrag „The Three Pillars of AEO“.
Weniger Besuche bedeuten nicht zwangsläufig, dass SEO weniger wert ist. Unter diesen Bedingungen muss die Wirksamkeit der SEO-Arbeit anders beurteilt werden, mit anderen Kennzahlen: Markennachfrage, direkte Zugriffe, wiederkehrende Nutzer, Umsatz. Parallel dazu gilt es, Markenbekanntheit und ein eigenes Publikum aufzubauen. Dieses Kapital kann eine Suchmaschine nicht mit einem einzigen Update auslöschen.
Vier Dinge setzen wir bereits jetzt um:

Eröffnungsabend auf der Dachterrasse mit Blick auf Shenzhen.
Unser herzlicher Dank gilt dem Veranstalter JP Zhang und allen Teilnehmenden der Shenzhen SEO Conference 2026 für die Möglichkeit, zu sehen, wie diese Veränderungen nicht in der Theorie, sondern in der echten Arbeit von Fachleuten aus verschiedenen Ländern aussehen.
Über die Ergebnisse dessen, was wir nach der Konferenz umsetzen, berichten wir gesondert, mit konkreten Zahlen und Beispielen.

Abschlusssession: Die nächste Konferenz ist für den 19. bis 24. September 2027 angesetzt.
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